100 Jahre ILO International Labour Organization

100 Jahre Internationale Arbeitsorganisation (ILO): aktueller und wichtiger denn je!

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„Der  Weltfriede  kann  auf  die  Dauer  nur  auf  sozialer  Gerechtigkeit  aufgebaut werden.“ *

Ein interessanter Satz. Bedeutet er doch, dass dieser Ruf nach sozialer Gerechtigkeit nicht alleine aus einer politischen oder ethischen Überzeugung heraus formuliert ist; einer Überzeugung, der man je nach Weltanschauung folgen mag oder auch nicht. Nein, dieser Satz bedeutet, dass soziale Gerechtigkeit (nämlich eine überregionale, transnationale, globale Gerechtigkeit) notwendig ist, um Frieden zu gewährleisten. Die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit ist also keine Frage der persönlichen, moralischen Einstellung, es ist eine Frage der Notwendigkeit.

Kaffeebäuerinnen in Uganda
Kaffeebäuerinnen in Uganda, an der Grenze zum Kongo

Wenn man nicht weiß, woher dieser Satz stammt, wäre es spannend zu raten…

Tipps würden wohl Richtung Personen aus der linksgerichteten Politikszene, der Friedensbewegung oder Kirchenkreisen gehen.
Aber weit gefehlt: Dieser Satz ist die Erkenntnis aus der Katastrophe des 1. Weltkriegs. Im April 1919, auf der Friedenskonferenz in Versailles, wurde die Bedeutung sozialer Gerechtigkeit als maßgebliches Thema für einen langfristigen Frieden zwischen den Völkern erkannt.
Er ist der Eröffnungssatz und die Kernaussage der Verfassung der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, die in diesen Tagen ihr 100-jähriges Jubiläum feiert. Sie wurde kurz nach dem verheerenden Weltkrieg mit dem Ziel gegründet, die Welt durch international gültige, soziale Arbeitsstandards ein Stück gerechter und damit friedlicher zu machen.

100 Jahre ILO (International Labour Organization

Die Präambel der Verfassung der Internationalen Arbeitsorganisation liest sich heute genauso zeitgemäß wie vor 100 Jahren.

Sie hat nichts an ihrer Gültigkeit verloren, ganz im Gegenteil:

Nun bestehen aber Arbeitsbedingungen, die für eine große Anzahl von Menschen  mit  so  viel  Ungerechtigkeit,  Elend  und  Entbehrungen  verbunden sind, dass eine Unzufriedenheit entsteht, die den Weltfrieden und  die  Welteintracht  gefährdet. 

Eine  Verbesserung  dieser  Bedingungen  ist  dringend  erforderlich,  zum  Beispiel  durch  Regelung  der  Arbeitszeit,   einschließlich   der   Festsetzung   einer   Höchstdauer   des   Arbeitstages  und  der  Arbeitswoche,  Regelung  des  Arbeitsmarktes,  Verhütung  der  Arbeitslosigkeit,  Gewährleistung  eines  zur  Bestreitung  des Lebensunterhaltes angemessenen Lohnes, Schutz der Arbeitnehmer gegen  allgemeine  und  Berufskrankheiten  sowie  gegen  Arbeitsunfälle,  Schutz  der  Kinder,  Jugendlichen  und  Frauen,  Vorsorge  für  Alter  und  Invalidität,   Schutz   der   Interessen   der   im   Auslande   beschäftigten   Arbeitnehmer,   Anerkennung   des   Grundsatzes   ‚gleicher   Lohn   für   gleichwertige  Arbeit‘,  Anerkennung  des  Grundsatzes  der  Vereinigungsfreiheit,  Regelung  des  beruflichen  und  technischen  Unterrichtes  und ähnliche Maßnahmen.


Auch   würde   die   Nichteinführung   wirklich   menschenwürdiger   Arbeitsbedingungen durch eine Nation die Bemühungen anderer Nationen  um  Verbesserung  des  Loses  der  Arbeitnehmer  in  ihren  Ländern  hemmen. (…)“ *

* Präambel der Verfassung der Internationalen Arbeitsorganisation; Internationales Arbeitsamt Genf, August 2003

Angela Merkel fordert: „Die Wirtschaft hat den Menschen zu dienen.“

Wie aktuell und brisant dieses Thema ist, zeigt auch die vielbeachtete Festrede von Angela Merkel in Genf anlässlich des 100-jährigen Bestehens der ILO:
In ihrer Rede fordert Angela Merkel bessere Arbeitsbedingungen weltweit, denn „die Wirtschaft hat den Menschen zu dienen.“ Zwei lesenswerte Artikel zu Merkels Rede finden sich unter derstandard.at und www.zeit.de.

Der Kaffeebauer Namasaka Samba aus Uganda mit Andrea Schlehuber, Geschäftsführerin der EZA Fairer Handel GmbH
Der Kaffeebauer Namasaka Samba aus Uganda mit Andrea Schlehuber, Geschäftsführerin der EZA Fairer Handel GmbH (März 2019)

Dass ein gerechtes Wirtschaftssystem ALLEN Menschen zu dienen hat und nicht nur einigen wenigen, ist seit Beginn die Grundidee des Fairen Handels. „Fair Trade not Aid“ ist das Motto seit den Ursprüngen der Bewegung.
Heutige Fair Trade -Organisationen und -Labels, wie z.B. WFTO (World Fair Trade Organisation), Fairtrade International, GOTS (Global Organic Textile Standard) oder FAIR WEAR FOUNDATION, basieren auf den Sozial- und Arbeitsstandards der ILO sowie der Allgemeine Erklärung der Menschenrechte.
Die von den Fair Trade Organisationen geforderten partnerschaftlichen (und nicht ausbeuterischen) Handelsbeziehungen sollen den ProduzentInnen unter anderem ermöglichen, unter sicheren Arbeitsbedingungen, begleitet von sozialen Maßnahmen und für einen fairen Lohn zu arbeiten. (Siehe „Die 10 Prinzipien des Fairen Handels„)

Mauer an der Grenze Israel-Westjordanland
Grenzmauer zwischen Israel und dem Westjordanland

Wenn das nicht so ist, gibt es Folgen, und die spüren wir in unseren reichen westlichen Ländern bereits deutlich: Flucht, Migration, Extremismus. Vor diesen Folgen können wir uns nicht verstecken. Und wir können uns auch nur bedingt und höchstens kurzfristig davor abschotten.
Langfristig führt kein Weg an einer globalen, sozialen Gerechtigkeit vorbei, wenn wir in einer friedlichen Welt leben wollen. Das haben kluge Leute bereits vor 100 Jahren im Schatten der Gräuel des 1. Weltkriegs klar erkannt.

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