Palmöl: Es geht auch wirklich nachhaltig

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Kein anderes Pflanzenöl ist so weit verbreitet wie Palmöl. Und kein Nahrungsmittel ist in letzter Zeit so in Verruf geraten – und zwar wegen der sozial und ökologisch bedenklichen Umstände, unter denen es hergestellt wird. Trotzdem ist auch in manchen Lebensmitteln, die Sie in unserem Fair Trade Shop finden, Palmöl enthalten. Bio-fairer Anspruch und Palmöl-Einsatz, wie passt das zusammen? Ganz einfach: durch Palmöl, das sozial- und umweltverträglich gewonnen wird.

Lebensmittel, Tierfutter, Kosmetik, Hygieneartikel, ja sogar Biotreibstoff: In all diesen Produkten ist Palmöl enthalten. Es ist das am meisten verwendete pflanzliche Öl – Nachfrage: steigend. Um diese zu bedienen, hat sich die weltweite Anbaufläche seit den 1990ern beinahe verdreifacht – von 6 auf 17 Millionen Hektar (das ist in etwa doppelt so viel wie die Fläche Österreichs).

Palmfrucht-Ernte in Indonesien: Palmöl wird aus dem Mesokarp, der fleischigen mittleren Schicht der Ölpalmen-Früchte, gewonnen. (Bild: Craig Morey/Flickr)

Die große Beliebtheit von Palmöl ist vor allem auf zwei Faktoren zurückzuführen: Verarbeitungseigenschaften und Preis. Palmöl verbessert einerseits die natürliche Beschaffenheit von Produkten, macht sie geschmeidiger und beständiger gegenüber Wärme und Oxidation. Außerdem enthält es so gut wie keine Transfettsäuren, was besonders für verarbeitete Produkte gut ist. Andererseits kann Palmöl sehr günstig gewonnen werden: Denn Ölpalmen sind nicht nur äußerst genügsame Pflanzen, die kaum Ansprüche an den Boden stellen, sie liefern auch unterm Strich bei gleicher Anbaufläche mehr Öl als jede andere Pflanze.

Umweltschädigung, Raubbau & Greenwashing

Für Mensch und Umwelt ist die ständig steigende Nachfrage nach Palmöl jedoch fatal: Denn mehrheitlich wird die Gewinnung im Raubbau an der Natur geführt. Das Resultat sind riesige Monokulturen, angebaut auf Plantagen, für deren Entstehung tausende Hektar Regenwald vernichtet wurden – das hat nicht nur Auswirkungen auf den Klimawandel, auch der natürliche Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen, unter anderem Orang-Utans, wird so vernichtet. Und auch die Menschen leiden unter diesem Raubbau, indem sie von ihrem Land vertrieben werden oder auf den Palmöl-Plantagen für Hungerlöhne und unter miesesten Bedingungen schuften.

Die Problematik rund um Palmöl ist in den vergangenen Monaten ins Bewusstsein vieler KonsumentInnen gerückt. Während einzelne Marken darauf reagieren, indem sie den Einsatz von Palmöl reduzieren oder einstellen, ist das Reaktionsmuster vieler Großkonzerne typisch: Sie versuchen von der eigentlichen Problematik und ihrer Rolle daran abzulenken. Dieses Verhalten, bekannt unter dem Fachbegriff „Greenwashing“, kreiden berechtigterweise auch Werner Boote und Aktivistin Katrin Hartmann im Film „The Green Lie“ an, der aktuell in den österreichischen Kinos läuft.

Regenwald verbrennen für Palmöl – wie hier in Indonesien: Werner Boote zeigt diese ungeheuerliche Praktik in „The Green Lie“ auf. (Bild: Filmladen Filmverleih)

Es gibt echt nachhaltiges Palmöl

Auf der Suche nach Lösungsansätzen für die Palmöl-Problematik ist natürlich der exzessive Einsatz zu hinterfragen. Da stellt sich nicht nur die Frage, was Lebensmittel im (Bio-)Sprit verloren haben, sondern auch, wo in der Nahrungsmittelproduktion Palmöl eingespart oder durch sinnvolle Alternativen ersetzt werden kann. „Sinnvoll“ ist hier das Stichwort: Denn auf Palmöl zu verzichten, darf nicht heißen, dass stattdessen Produkte zum Einsatz kommen, die ohne eine Änderung der Produktionsbedingungen vielleicht genauso problematisch sind.

In einigen wenigen EZA-Produkten findet sich Palmöl, z.B. in den Schoko-Orangen- und Lemon-Keksen. (Bild: Chic Ethic)

Auch in Produkten, die Sie bei Chic Ethic kaufen können, findet sich Palmöl – nämlich in einigen Lebensmitteln der EZA Fairer Handel. Anders als das Palmöl in den Massenprodukten vieler Großkonzerne stammt das Palmöl dort jedoch aus sozial und umweltverträglicher Produktion: Es wird von der Kooperative „Serendipalm“ in Ghana in bio-fairem Anbau hergestellt. In Ghana ist die Ölpalme ursprünglich beheimatet und nach wie vor natürlicher Bestandteil von sogenannten „agroforstwirtschaftlichen Systemen“ – also Flächen, die sowohl landwirtschaftlich und forstwirtschaftlich genutzt werden. Auf diesen Flächen sind zwar keine Höchsterträge möglich, dafür sind sie artenreich, stabilisieren den Wasserhaushalt und schützen den Boden vor Erosion – und liefern so einen wertvollen Beitrag für ein lebendiges Ökosystem.

Hier wird das bio-faire, nachhaltig produzierte Palmöl hergestellt, das in EZA-Produkten zu finden ist: Bei Serendipalm in Ghana. (Bild: Serendiworld)

Auch die EZA und ihre europäischen Schwesterorganisationen haben in den vergangenen Monaten bei einigen Produkten die Rezeptur gewechselt und das enthaltene Palmöl weggelassen oder durch sinnvolle Alternativen ersetzt. Trotzdem wird es auch in Zukunft weiterhin einige wenige EZA-Produkte mit Palmöl geben. Denn während industriell angebautes, im Raubbau gewonnenes Palmöl unter sozialen und ökologischen Gesichtspunkten abzulehnen ist, zeigt sich am Beispiel der EZA-Produkte, dass es auch anders gehen kann: mit Palmöl, das biologisch angebaut, umsichtig und in Maßen eingesetzt und im Einklang mit Mensch und Umwelt hergestellt wird.

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